Datenmigration bezeichnet den Prozess, bei dem bestehende Daten von einem Speicherort an einen anderen verschoben werden – beispielsweise von einer bestehenden Datenbank in eine neue, von einem lokalen Speicher in die Cloud oder auf ein neues Speichergerät. Da Unternehmen ihre Daten aus vielen verschiedenen Gründen migrieren müssen, ist dies gängige Praxis – allerdings eine, die mit erheblichen Risiken verbunden ist. Datenmigration ist ein komplexer Prozess mit mehreren Phasen. Eine sorgfältige Strategie, die alle relevanten Stakeholder einbezieht und mögliche Notfälle berücksichtigt, kann die Risiken mindern. Dieser Artikel erläutert den Prozess und die Arten der Datenmigration, zeigt die Herausforderungen auf und erklärt Best Practices und Strategien, die die Erfolgschancen erhöhen.
Arten der Datenmigration
Obwohl alle Datenmigrationen eine gut durchdachte Strategie, sorgfältiges Mapping und einen detaillierten Plan erfordern, unterscheiden sich die Einzelheiten je nach Art der Migration.
Speichermigration
Bei einer Speichermigration werden Daten von einem Speichermedium auf ein anderes übertragen – beispielsweise von Festplatten auf Bänder. Eine Datenvalidierung kann die Menge veralteter und beschädigter Daten reduzieren, die beim Übertragen von Speicherblöcken und Dateien von einem Medium auf ein anderes in das neue System verschoben werden.
Datenbankmigration
Bei einer Datenbankmigration werden Datenbankdateien in ein neues oder aktualisiertes System verschoben – beispielsweise wenn Unternehmen den Datenbankanbieter wechseln, ihre aktuelle Datenbank aktualisieren oder eine Datenbank in die Cloud verlagern. Vor der Übertragung der Daten an das Zielsystem sollte die bestehende Datenbank gesichert und ein Qualitätssicherungsprozess eingerichtet werden.
Anwendungsmigration
Bei einer Anwendungsmigration werden Daten in eine neue Umgebung verschoben – beispielsweise aus einer lokalen Anwendung in die Umgebung oder das Rechenzentrum eines Cloud-Anbieters. Eine Migration ist gegenüber dem Neuaufbau einer bestehenden Anwendung in der Regel die bevorzugte Option, auch wenn angepasste Anwendungen den Prozess erschweren können.
Cloudmigration
Cloudmigration ist eine umfassende Übertragung, bei der sämtliche Daten, Anwendungen, Services und IT-Prozesse eines Unternehmens – im Wesentlichen der gesamte Geschäftsbetrieb – in die Cloud verschoben werden. Dies kann die Verlagerung einer lokalen Lösung oder eines Rechenzentrums in die Cloud oder den Wechsel von einem Cloud-Anbieter zu einem anderen umfassen.
Best Practices für die Datenmigration
Unabhängig von der Art durchlaufen alle Migrationspläne vier gemeinsame Phasen: Vorbereitung, Planung, Durchführung sowie Qualitätssicherungstests und Optimierung. Selbst ein solider Plan kann durch erschwerende Faktoren kompliziert werden, sodass Datenmigrationen schwierig umzusetzen sind. Die folgenden Best Practices können zum Erfolg beitragen.
Einen Migrationsberater beauftragen
Unternehmen, deren Mitarbeitende keine Erfahrung mit Migrationen haben, sollten einen Migrationsberater beauftragen, der sie bei der Planung und Durchführung unterstützt. Es kann vieles schiefgehen und Daten sowie die Geschäftskontinuität gefährden – statt die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen, kann die Unterstützung durch eine erfahrene Fachkraft den Erfolg sichern.
Eine Migrationsbewertung durchführen
Eine Migrationsbewertung – ein Fragebogen, den Unternehmen ausfüllen können, um die verschiedenen Komponenten einer geplanten Migration besser zu verstehen – hilft dabei, den richtigen Ansatz zu ermitteln, ein Budget festzulegen, Ressourcen bereitzustellen und einen Zeitplan zu bestimmen.
Stakeholder einbeziehen
Wenn der Migrationsplan allen Betroffenen mitgeteilt wird, kann sichergestellt werden, dass alles Notwendige berücksichtigt wird und alle relevanten Daten übertragen werden. Dies kann auch bei der Migration selbst helfen, indem alle Personen, die die Daten verwenden, wissen, wann sie stattfindet, sodass keine Daten verloren gehen, dupliziert oder beschädigt werden.
Einen Backup- und Wiederherstellungsplan erstellen
Es ist entscheidend, alle für die Migration vorgesehenen Daten zu sichern und einen Rollback- und Wiederherstellungsplan für den Fall zu erstellen, dass die Dinge nicht wie geplant verlaufen. Dadurch lassen sich unerwartete Ausfallzeiten minimieren und die Geschäftskontinuität sicherstellen.
Die richtigen Tools für die Aufgabe verwenden
Bewerten Sie Anbieter und Plattformen, um das richtige Migrationstool für Ihre spezifischen Anforderungen zu finden, und testen Sie es, um sicherzustellen, dass es wie versprochen funktioniert und Sie wissen, wie es zu bedienen ist. Testen Sie anschließend auch den Migrationsprozess, um Schwachstellen oder Risiken im Plan aufzudecken – es ist besser, diese während der Generalprobe als bei der tatsächlichen Migration zu finden.
Daten und Systeme verstehen
Die zu migrierenden Daten sollten in den Bewertungsprozess einbezogen werden. Wie ist ihre Qualität? Müssen sie bereinigt, neu formatiert oder anderweitig vorbereitet werden? Das Gleiche gilt für Ihre Teams und Systeme: Wissen alle beteiligten Mitarbeitenden, wie der Migrationsprozess und die Tools funktionieren? Ist ihnen der Zeitplan klar?
Migration außerhalb der Spitzenzeiten durchführen
Die meisten Unternehmen müssen während des gesamten Migrationsprozesses betriebsfähig bleiben – insbesondere größere Unternehmen, die rund um die Uhr arbeiten. Selbst eine Abschaltung von wenigen Stunden könnte die Geschäftskontinuität beeinträchtigen und Kunden kosten. Planen Sie Migrationen beispielsweise für Zeiten außerhalb der Spitzenzeiten oder für Feiertagswochenenden, wenn das Datenaufkommen minimal ist.
Prozess prüfen und dokumentieren
Eine sorgfältige Dokumentation hilft dabei, alle Bestandteile eines Migrationsprozesses zu verstehen. Dadurch lassen sich unerwartete Probleme leichter beheben und Notfallmaßnahmen planen. Auch nach Abschluss der Migration sollten Sie weiterhin alle Systeme und Daten testen, prüfen und dokumentieren – Probleme zeigen sich nicht immer sofort.

Herausforderungen und Risiken der Datenmigration
Datenmigrationen sind komplexe Prozesse mit zahlreichen Schritten, vielen Beteiligten sowie unterschiedlichen Tools und Systemen. Es gibt viele Möglichkeiten, wie etwas schiefgehen kann. Selbst die besten Pläne können manchmal nicht alle Eventualitäten berücksichtigen, doch eine gut durchdachte Strategie kann auf unerwartete Ereignisse vorbereiten, wenn sie eintreten.
Hier sind die häufigsten Probleme, auf die Sie bei einer Datenmigration achten sollten.
- Datenverlust. Um dem allgegenwärtigen Risiko eines Datenverlusts während einer Migration entgegenzuwirken, sollten alle Daten gesichert und ein Wiederherstellungsplan eingerichtet werden. Testen Sie nach der Migration, ob die historischen Daten im neuen System angekommen sind.
- Datenbeschädigung. Die Migration fehlerhafter, unerwünschter oder beschädigter Daten in ein Zielsystem kann zum Absturz des Systems oder zur Beschädigung validierter historischer Daten führen. Prüfen Sie Datentypen und Datenquellen vor der Übertragung in das Zielsystem, um die Wahrscheinlichkeit solcher Probleme zu minimieren.
- Sicherheitsrisiken. Migrationen können Daten gefährden, indem sie sie Drittanbietern zugänglich machen oder in ein anfälliges System verschieben, das für Exploits empfänglich ist. Eine gute Migrationsstrategie sollte eine Komponente für Datensicherheit umfassen, und die Sicherheit der Zielsysteme sollte bei der Auswahl berücksichtigt werden.
- Beeinträchtigte Leistung. Während einer Migration kann die Performance durch Fehler, überlastete Systeme oder unzuverlässige Migrationstools beeinträchtigt werden. Berücksichtigen Sie das Tempo der Migration und stellen Sie sicher, dass alle Systeme den Anforderungen gewachsen sind.
- Semantische Fehler. Migrierte Daten können unbrauchbar werden, wenn aufgrund falscher Felder oder Datensätze beziehungsweise einer ungenauen Verarbeitung semantische Fehler auftreten. Strenge Migrationstests im Vorfeld der eigentlichen Migration können das Risiko minimieren.
- Verlängerte Ausfallzeiten. Wenn bei einer Migration etwas schiefgeht, kann dies Verzögerungen verursachen – und mehrere Probleme können sich gegenseitig verstärken, die Migration verlängern und die Umschaltung hinauszögern. Dies kann zu Umsatz- oder Kundenverlusten führen. Stellen Sie sicher, dass Ihre Service-Level-Vereinbarung (SLA) mit dem Berater oder Migrationsunternehmen eine akzeptable Frist verspricht und garantiert.
- Menschliches Versagen. Durch Menschen verursachte Fehler können eine Migration zum Scheitern bringen, ganz gleich, wie gut sie geplant ist. Der beste Weg, dies zu verhindern, besteht darin, alle Beteiligten zu schulen. Stellen Sie sicher, dass sie die Tools, ihre Rollen und den Zeitplan verstehen und mit dem Verfahren vertraut sind.
Datenmigrationsstrategie: Daten erfolgreich migrieren
Eine gute Datenmigrationsstrategie minimiert Kosten, Datenverluste und Ausfallzeiten und maximiert die Erfolgschancen. Sie muss mindestens einen Migrationsansatz festlegen und einen Zeitplan erstellen, das oder die zu verwendenden Migrationstools bestimmen und einen Prozess zur Validierung der Daten skizzieren. Außerdem sollte sie ein Migrationsteam aus internen Stakeholdern und einer Migrationsfachkraft vorsehen – entweder aus dem eigenen Unternehmen oder als Berater –, die den Prozess leitet. Darüber hinaus sollte eine Datenmigrationsstrategie die folgenden Migrationskomponenten berücksichtigen.
Migrationsansatz
Eine der ersten Entscheidungen bei einer Migrationsstrategie ist die Festlegung des Migrationsansatzes. Es gibt zwei gängige Optionen. Bei einer Big-Bang-Migration werden alle Daten in einem einzigen Vorgang innerhalb eines festgelegten Zeitraums übertragen – beispielsweise an einem Wochenende. Bei einer schrittweisen Migration werden die Daten nach und nach in ein Zielsystem übertragen, sodass ein Unternehmen die alten und neuen Systeme für einen bestimmten Zeitraum parallel betreiben kann.
Der Big-Bang-Ansatz benötigt weniger Zeit, erfordert jedoch, dass das System während der gesamten Migration offline ist. Er wird typischerweise von kleinen Unternehmen eingesetzt, die nicht rund um die Uhr betriebsfähig sein müssen. Eine schrittweise Migration wird von großen Unternehmen bevorzugt, die ihren Betrieb nicht für längere Zeit unterbrechen können. Bei dieser Art der Migration lassen sich mögliche Migrationsprobleme außerdem leichter erkennen und beheben.
Migrationsteam
Der Migrationsansatz bestimmt, wer zum Migrationsteam gehören sollte. Wenn niemand im Unternehmen über die erforderliche Erfahrung und Expertise verfügt, sollte eine Fachkraft für Datenmigration als Berater engagiert werden. Interne Teammitglieder sollten erkennen, dass die Migration hohe Priorität hat, und während der gesamten Projektdauer entsprechenden Einsatz zeigen.
Datenbewertung und -bereinigung
Der Datenbewertungsprozess validiert die Daten, die in das Zielsystem übertragen werden sollen, und identifiziert Inkonsistenzen, bevor die Übertragung erfolgt. Unvollständige oder ungenaue Daten sowie andere Anomalien der Datenqualität müssen bereinigt werden, damit die Daten in das Zielsystem migriert werden können; andernfalls sollten sie gelöscht werden. Datenmigrationstools können bei der Bereinigung hilfreich sein.
Datensicherheit und Governance
Eine Strategie für Data Governance kann die Qualität und Integrität der Daten während des gesamten Migrationsprozesses sicherstellen sowie den Status der Daten und den Fortschritt der Migration verfolgen und dokumentieren. Auch in dieser Phase der Migration können automatisierte Migrationstools von unschätzbarem Wert sein und sollten Teil des Plans sein.
Fazit: Die Bedeutung der Datenmigration
Es gibt viele Gründe, warum Unternehmen ihre Daten migrieren könnten. Sie implementieren möglicherweise eine neue Customer-Relationship-Management-Software (CRM) oder ein Finanzsystem und müssen alle Datensätze von der alten Plattform übertragen, modernisieren Legacy-Systeme, um ihren Speicherbedarf und Ressourcenaufwand zu reduzieren, oder verlagern lokalen Speicher in die Cloud.
All diesen Szenarien ist gemeinsam, dass sie auf eine Verbesserung der Abläufe abzielen. Ein erfolgreicher Datenmigrationsprozess ist entscheidend für den Erfolg dieser Vorhaben.
In die Auswahl und Implementierung einer neuen Softwareplattform fließen beispielsweise viel Zeit und Geld. Sie kann Mitarbeitende effizienter machen und Abläufe optimieren. Wenn die Daten aus dem alten System jedoch nicht korrekt migriert werden, könnte das neue System unbrauchbar werden – oder Schlimmeres. Jahrelange Kundendaten, Finanztransaktionen und historische Aufzeichnungen könnten unzugänglich, beschädigt oder verloren sein.
Nahezu jedes Unternehmen wird irgendwann eine Datenmigration durchführen müssen. Auch wenn der Prozess mit erheblichen Risiken verbunden sein kann, lassen sich diese und die Auswirkungen unvorhergesehener Katastrophen durch eine gut durchdachte Strategie minimieren – ebenso wie durch die Zusammenarbeit mit erfahrenen Fachkräften, entweder aus dem eigenen Unternehmen oder als Berater.
Um mehr darüber zu erfahren, wie Sie Daten sicher halten, lesen Sie Was ist Datensicherheit in der Datenspeicherung? Was Sie wissen müssen.